Mehr über die Rasse


Der Tennessee Walker ist ein nordamerikanisches Gangpferd. Das Stutbuch wurde 1935 gegründet und 1947 geschlossen; die Rasse war jedoch schon lange vor dieser Zeit bekannt und geschätzt. Ihre eigentliche Entstehung läßt sich schwer genau datieren. Maßgeblichen Anteil daran hatte der um 1800 geborene Hengst JUSTIN MORGAN, dessen Blut sich bei allen nordamerikanischen Rassen wiederfindet.

Schon im 18. Jahrhundert wurden Vollblüter, meist Hengste, aus England nach Amerika importiert, die den vorhandenen Landschlägen ihren Stempel aufdrückten. Besonders hoch im Blut stehende Nachkommen dieser Tiere finden sich im 1873 gegründeten amerikanischen Vollblutregister wieder.

Die Verbreitung des Trabrennsports führte zur gezielten Zucht von Renntrabern (Standardbreds) und zur Gründung der U.S. Trotting Association 1879. Die Nachzucht der Standardbreds bestand aber nicht nur aus Trabern - sondern meist zur Bestürzung ihrer Besitzer - auch aus hervorragenden Passgängern. Einer davon war ALLEN F1, ein Urahn des heutigen Walkers. Mit der Zeit etablierten sich auch Passrennen und heute existieren Standardbred Traber und Passer gleichberechtigt nebeneinander.

Den größten Anteil an der Entstehung des Tennessee Walkers hatte wahrscheinlich jedoch der Narragansett (Bucht in Rhode Island) Pacer. Diese Rasse, von der nie ein Stutbuch existierte, verschwand in den Wirren der Unabhängigkeitskriege Ende des 18. Jahrhunderts und hinterließ fast nichts außer ihrer Erbmasse. Eine Beschreibung findet sich in einer Fußnote bei J.F. Cooper´s "Der letzte Mohikaner"
"In Narragansett (bekannt nach dem dort lebenden Indianerstamm) findet man eine Rasse kleiner, meist brauner Pferde. Sie unterscheiden sich stark von anderen durch ihren passartigen Gang, die Sanftheit ihrer Bewegungen und ihre ausdauernde Härte. Darüber hinaus noch sehr trittsicher, sind sie ein gesuchtes Reisepferd, besonders für Frauen." Über den Import von ausländischen Tieren ist nichts bekannt, d.h. beim Narragansett - oder Rhode Island Pacer handelte es sich wahrscheinlich um eine stark auf Pass selektierte Landrasse.

Die Rhode Island Siedler waren nicht puritanisch, sondern hatten oft ihre alten Siedlungen wegen der dort herrschenden strengen Moral verlassen. Sie liebten Pferderennen und hatten dadurch ein Selektionskriterium, dem sich die streng religiösen Kolonien verschlossen. Im Unabhängigkeitskrieg jedoch war Rhode Island stärker betroffen als andere Gebiete. Man wandte hier das "Prinzip verbrannter Erde" an. Ein furchtbarer Sommersturm 1778 besorgte den Rest. Der Narragansett war verschwunden, aber nicht ausgestorben. Sein Blut floß in andere Rassen und Landschläge ein und viele seiner hervorragenden Eigenschaften sind bis heute beim Walker zu finden.

Die Kanadier züchteten damals ebenfalls Gangpferde und verwendeten Narrangasetts für Zucht und Veredelung, so dass sich beide Rassen recht ähnlich gewesen sein müssen. All diese Gruppen mit ihren oft verschiedenen Eigenschaften lieferten die genetischen "Zutaten" zur Entstehung des Tennessee Walkers.

Bei der Stutbuchgründung 1935 wurde der Standardbred ALLAN (1886 – 1910) zum Gründerhengst bestimmt (ähnlich wie JUSTIN MORGAN bei der Rasse der Morgan Horses) und bekam die Bezeichnung F1. Seine Qualitäten in der Vererbung eines bequemen Ganges wurden erst in seinen letzten Lebensjahren erkannt. Vorher führte er ein Aschenbrödeldasein, oft verkauft und für recht wertlos gehalten. Um so höher muss man daher sein Genpotential einschätzen, denn seine Nachzucht fiel durch Gangqualität auf, obwohl ihm kaum gute Stuten zugeführt wurden. Die Missachtung seitens seiner vielen Besitzer kam hauptsächlich daher, dass er sich weigerte zu traben , obwohl vom feinsten Traberblut abstammte.

Ein weiterer bedeutender Vererber war der Pacer TOM HAL F20 (1862-1890). Er spielte auch bei der Entstehung der American Saddlebreds eine große Rolle und viele hätten lieber ihm als ALLAN den Titel F1 gegeben.

Das heutige Tennessee Walking Horse ist das Produkt aus Thoroughbred, Standardbred, Morgan und American Saddlebred Blutlinien. Über ein Jahrhundert sorgfältige Züchtung wurde für die Entwicklung dessen verwendet, was heute als "weltbestes Show- und Vergnügungspferd" bekannt ist.

Es wurde von Farmern des Staates Tennessee, USA, durch selektive Paarung von Trabern und Passgängern entwickelt. So entstand ein Reitpferd, das sowohl ein effektives Nutzpferd als auch ein Pferd mit leichter Gangart war. Dieses Pferd hatte einen ungewöhnlichen, aber dennoch ruhigen Gang, der als "Running Walk" bekannt wurde.

Im Jahre 1935 trafen sich Bewunderer und Züchter dieses einzigartigen Pferdes, um die "Tennessee Walking Horse Breeder´s Association of America" zu gründen. Das Ziel dieses Verbandes war: Sammlung, Aufzeichnung und Bewahrung der Stammbäume des Tennessee Walking Horse, Aufrechterhaltung einer Registrierung, Entwicklung von Regeln und Vorschriften in allen Bereichen, die den Tennessee Walker betreffen, Sponsoring von Programmen zur Förderung dieser Rasse. Lewisburg, Tennessee, USA, wurde zum offiziellen Hauptquartier für diese neue Rasse gewählt.

Die Organisation suchte 115 Tiere zur Gründung des Tennessee Walking Horse aus. Diese Gründungstiere repräsentieren die Merkmale – welche vereint – die Hauptströmung dieser Rasse hervorbringen sollten.

ALLAN, der kleine schwarze Hengst mit Blesse, gezüchtet aus bester Morgan, Thoroughbred und Saddlebred Herkunft, wurde zum Gründungshengst Nummer 1 gewählt. ALLAN zeigte sowohl ein sanftes Wesen als auch den ruhigen "Running Walk" Gang. Er bekam den Titel ALLAN F 1, welcher besagte, dass er das erste Pferd im Tennessee Walking Horse Zuchtbuch war.

Das Tennessee Walking Horse Zuchtstammbuch wurde 1947 abgeschlossen, was bedeutete, dass ab 1948 für die Registrierung eines Pferdes als Tennessee Walking Horse auch die Registrierung beider Eltern notwendig war. Das Tennessee Walking Horse wurde 1950 als eigene Rasse eines leichten Pferdes vom Landwirtschaftsministerium der USA anerkannt. In der Größe zwischen 15 und 17 Handbreit (1 Handbreit = 4 engl. Zoll) und durchschnittlich 1000 Pfund schwer, zeigen diese Pferde eine Vielfalt von Farben.

1974 wurde der offizielle Name der Registrierung auf "Tennessee Walking Horse Breeder´s and Exhibitors Association" (TWHBEA) ausgeweitet.

Die TWHBEA führte in den 70er Jahren neue Prüfungen ein, um die Märkte und die Verwendung ihrer Pleasure horses zu erweitern. Ihr "Versatility Program"(Vielseitigkeits Programm) zeigt die weite Bandbreite der Fähigkeiten des Tennessee Walking Horse. Mit seinem vielseitigen Angebot an Halfter-, Fahr-, Englisch-und Western Pleasure, Spring- und Westernveranstaltungen, bietet dieses Programm den Teilnehmern Startmöglichkeiten in unterschiedlichsten Prüfungen an. Das TWHBEA "Distance Award Program" würdigt Reiter, die ihr Pferd als Trailpferd benutzen wollen. Darüber hinaus bietet es Denjenigen Auszeichnungen, die viele Stunden im Sattel auf organisierten Trailritten verbringen.